Juni 24

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Frauenkirche – Dom zu unserer lieben Frau

By Frank

Juni 24, 2020


Die Münchener Frauenkirche – Metropolitankirche zu Unserer Lieben Frau – wurde anstelle einer dreischiffigen Pfeilerbasilika von 1240 in den Jahren 1468 bis 1488 vom Baumeister Jörg von Halsbach (Jörg Ganghofer) errichtet.

Der Erzbischof von München und Freising ist zugleich der Metropolit der südbayrischen Kirchenprovinz, zu der die Bistümer Augsburg, Regensburg und Passau als so genannte Suffraganbistümer gehören. 

Die Frauenkirche ist mit dem Kölner Dom die bedeutenste Metropolitankathedrale in Mitteleuropa.




Aha! Cool ...

Die charakteristischen Turmkuppeln als Zwiebeldächer ausgeführt, den sogenannten ‚Welsche Hauben‘, folgten erst 36 Jahre später im Jahre 1525 nach dem Tode des Baumeisters Jörg von Halsbach. Diese sind dem Vorbild des Felsendoms in Jerusalem nachgestaltet.

Frauentürme München

Der Nordturm überragt mit 98,57 Meter um einige Zentimeter den Südturm mit 98,45 Meter Höhe. Dies widerspricht einem weit verbreiteten Gerücht einer Differenz von 1 Meter aufgrund eines Baufehlers.

Das Kirchenschiff ist 109 Meter lang, 40 Meter breit, 37 Meter hoch und war seinerzeit so dimensioniert, allen Einwohnern Münchens von ca. 20.000 Personen Platz zu bieten.

Gewaltige Höhenentwicklung und ruhige Kraft, durchsichtige Pfeilerstellung und lichtvolle Gliederung der Umfassung, alle diese Momente hat Meister Jörg in die schönste Wechselbeziehung gebracht und aufs beste ausgeglichen. Erhabenheit und Ruhe, Ernst und Majestät durchdringen den ganzen Dom.



Dachstuhl - Wunderwerk aus "schlechtem Holz"

Hier ist nicht die Legende von Zimmerer Heinrich gemeint, der das Dach im 15. Jahrhundert konstruiert und dann einen Balken entfernt haben soll. Seinerzeit hat er allen ein Rätsel aufgegeben, wo denn der Balken hingehöre...  

Im 2.Weltkrieg wurde die Frauenkirche schwer beschädigt. Der heutige Dachstuhl ist ein Nachkriegswerk des Dombaumeisters Theodor Brannekämper. Und dieser hat mit schlechtem Holz eine so filigrane wie stabile Konstruktion geschaffen, dass Statiker bis heute darüber ins Staunen kommen.



"Miniatur Dachstühle" im Maßstab 1:10 oder 1:20

Es geht um einen Zimmermeister aus der Oberpfalz, Josef Hauer, der als Rentner seinem Hobby mit Freude nachgeht - er baut Miniatur-Dachstühle im Maßstab 1:10 oder 1:20. Sein Lieblingsprojekt: der historische Dachstuhl der Münchener Frauenkirche von 1488. Allein dafür hat er 3000 Einzelteile gesägt, geschliffen und mit Holznägeln zusammengebaut. 

Ausgestellt ist das Anschauungsmodell, 5 Meter lang und 1,7 Meter breit, in der Handwerkskammer in Weiden. So können Azubis und andere interessierte Besucher mit eigenen Augen sehen, wie das alte Handwerk funktioniert. Faszinierend!


Historischer Dachstuhl der Frauenkirche München                                                                                                                                                                        Foto: Christian Rudnik


Anspruchsvolle Akustik

Die Frauenkirche ist die größte Hallenkirche der Welt. Ein Genuss für die Ohren ist die Dom Musik. Die große Hauptorgel ist eine von vier Orgeln des Doms, die aus der Werkstatt  Georg Jann (Alkofen bei Regensburg) stammen. Nur ein Beispiel: wird der tiefste Ton der Orgel gespielt, klingt das wie ein Erdbeben mit Gebläse - es dauert elf Sekunden, bis der Orgelton verhallt. Immerhin ist die zugehörige Pfeife 9,60 Meter lang.




Unglaublich - der "Teufels-Tritt"

Teufelstritt in der Frauenkirche

Unter dem Kirchenchor ist auf der rechten Seite, in Stein gehauen, im Pflaster der Abdruck eines menschlichen Fußes zu sehen.

Es ist der sogenannte "Teufels-Tritt".

Wenn man seinen Fuß hineinstellt und gegen den Hochaltar schaut, sieht man keine Seitenfenster.

Der Sage nach, als die Kirche fertig, aber noch nicht eingeweiht war, hat sich der Teufel durchs große Tor geschlichen, neugierig und grimmig den Bau betrachtend, plötzlich aber laut gelacht und gemeint - ein Bau ohne Fenster werde nicht viel nützen. Da sei er gerade auf jener Stelle gestanden, wo jetzt die schwarze Fußspur ist, hat also kein Fenster gesehen.

Als er jedoch noch einen Schritt weiter vorging, seien urplötzlich eine Menge Fenster dagewesen. Da er nun sah, daß er der Geprellte war, habe er sich in einen heftigen Sturmwind verwandelt und gemeint, er könne den Bau zusammenwerfen. Aber er konnte es nicht und seitdem stürme der eine oder andere seiner Gesellen immer noch um die Türme.

So kommt es, daß unter den Frauentürmen meist ein so heftiger Wind weht, daß er manchen das Frauenbergl hinabtreibt, ehe er sich versieht oder den Leuten den Hut vom Kopfe nimmt...

Eine andere Version, eher selten erzählt besagt, dass 1468 sich der vielberühmte starke Herzog Christoph von Bayern im Schloß Grünwald aufhielt. Als er die Nachricht erhielt, sein Bruder Sigmund wolle der Muttergottes einen großen Dom bauen, da rief er freudig: "Recht hat er der Herr Bruder, aber mit dem Geld wird er sich nicht hinaussehen"

Und zur freudigen Bekräftigung stieß er mit dem rechten Fuß dergestalt auf einen Quaderstein, daß man die leise Spur der ganzen Ferse sah; diese Spur wurde dann später noch tiefer gegraben und der Stein seinerzeit an den Ort in der Frauenkirche gesetzt, wo er sich auch heute noch befindet...



Holz der Frauenkirche wird zu Musik

Auf der Suche nach Klangholz für neue Geigen nach dem Krieg, wird der Tonholzhändler und Geigenbauer Franz Fuchs in den Trümmern der Frauenkirche fündig. Der Tonholzhändler aus dem tschechischen Schönbach bei Eger hatte sich nach der Kriegsgefangenschaft bei Garmisch angesiedelt. 1947 brachte Fuchs das günstige Ruinenholz aus der Stadt. Fuchs erfand das Markenzeichen "Domholz" und wollte daraus hochwertige Violine fertigen lassen.

Peter Erben, Geigenbaumeister, hat seine Werkstatt in der Maxvorstadt und fertigt u.a. Geigen aus "Domholz". Das Holz hat also eine besondere Geschichte. 400 Jahre lang nahm es die Schwingungen von Glocken und Kirchenmusik auf. Eine Analyse der Otto-Friedrich Universität in Bamberg hat erst jüngst mittels dendrochronologischer Datierungen bestätigt, dass die Balken sind so alt, wie Fuchs annahm.

Bei solchen Holzalternsbestimmungen kann der Wissenschaftler bestimmen, wann ein Baum gewachsen ist, und die Höhenlage eingrenzen. Die Fichte wuchs einst 800 Meter über dem Meer - so hoch liegt Kirchbichl bei Bad Tölz. Von dort wurden die Balken 1468 nach München geflößt und verbaut.

Wie viel das jahrhundertealte Holz für den Klang eines neuen Instruments zu bedeuten hat, läßt sich so konkret nicht festlegen. Wenn ein Musiker mit seinem bisherigen Instrument an seine Grenzen stößt, wird er sich nach einem besseren auf die Suche begeben. Eine Geige, Bratsche oder ein Cello von einem renommierten Geigenbauer zu spielen, kann eine größere Spielfreude und einen gesteigerten Hörgenuss auslösen.



Ehepaarfest - 33 201 Jahre Liebe versammelt im Liebfrauendom!

Am 27.10.2019 hat Kardinal Reinhard Marx mehr als 750 Ehepaare gesegnet.

  • Das am längsten verheiratete Paar feierte mit 75 Ehejahren die Kronjuwelen-Hochzeit
  • Sieben Paare konnten auf 65 Ehejahre zurückblicken.
  • 100 Paare auf 60 gemeinsame Jahre und ...
  • 300 Paare feierten nach 50 Jahren Goldene Hochzeit.

„Ich weiß nicht – ich bin ja, wie sie wissen, nicht verheiratet – ob ein Ehemann jeden Tag seiner Ehefrau 'Ich liebe dich' sagt. Wahrscheinlich nicht. Aber es gibt doch Tage, da müsste das eigentlich passieren. Heute ist so ein Tag!”, so Kardinal Marx.




Was gibt es prickelndes zu sehen?

Das Kenotaph im "Kaiser Ludwig Mausoleum"

Kaiser Ludwig Mausoleum in Frauenkirche,                                                                                                                                     Quelle: Frauenkirche, Ludwig Rosenberger, 1947

Im hinteren südlichen Teil ist das Kenotaph für den 1347 gestorbenen Kaiser Ludwig den Bayern aufgestellt. Die Bronze-Figuren des Prunkgehäuses zeigen Herzog Wilhelm IV.  an der Westseite und Albrecht V. an der Ostseite. Die vier knienden Fahnenträger waren für ein Grabdenkmal Herzog Wilhelms V. in der Michaelskirche bestimmt, das aber nicht errichtet wurde.

Das Kenotaph stand ursprünglich an zentraler Stelle, im Chor der Frauenkirche und wurde mehrfach versetzt. Es soll auf die Kaiserwürdigkeit der Wittelsbacher und deren Taten für den katholischen Glauben hinweisen.

Zur Erinnerung zum Tod Kaiser Ludwigs des Bayern: Er ritt bei Puch in der Nähe von Kloster Fürstenfeld zur Jagd. Dort erlitt er offenbar einen Herzinfarkt, der ihn vom Pferd stürzen ließ.  Der Kaiser starb in den Armen eines Bauern.

Während sein Herz im Sarg seines Vaters beigesetzt wurde, überführte man Ludwigs Leichnam nach München. Eigentlich hätte ihm ein kirchliches Begräbnis verwehrt bleiben müssen, denn im Thronstreit zwischen Habsburg und Wittelsbach hatte Papst Johannes XXII. Ludwigs Kaiserwürde nicht anerkannt und über ihn den Kirchenbann verhängt.

Dennoch fand der streitbare Wittelsbacher in prunkvoller Zeremonie im Chor der Marienkirche, der bedeutensten Münchner Pfarrkirche neben seiner Gemahlin Beatrix von Glogau seine vermeintliche letzte Ruhestätte bis das Gotteshaus 1468 abgerissen wurde. An seiner Stelle entstand die Liebfrauenkirche, der heutige Dom, erbaut als monumentales Mausoleum für den Kaiser. Sein Hochgrab im Chor bildet das Zentrum der Kirche.

Allerdings ist es ein Kenotaph, ein leeres Grab. Wo die Gebeine Ludwigs des Bayern, der bis heute nicht vom Bann gelöst ist, nach all seinen Translationen verblieben sind, ist bis dato nicht bekannt.





Frauenkirche

Frauenplatz 12

80331 München



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About the author

Es ist wertvoller einen Ort im Detail zu erleben, als viele kleine Eindrücke eines unbegreifbaren Ganzen. Genius Loci - den Geist eines Ortes für sich zu entdecken, einzufangen und zu erleben. Wahrnehmen - verstehen - genießen! Als diplomierter Wirtschaftsingenieur mit zusätzlichem MBA-Studium an renommierter Universität in England (EMBA, EQUIS und AACSB akkreditiert) habe ich mehr als 30 Jahre auf C-Level (Vorstand Marketing und Vertrieb weltweit) für andere oft überraschende Wege zum Erfolg aufgezeigt.

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