Juni 19

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Kloster Ettal – Kirche, Kloster und Genuss

By Frank

Juni 19, 2020


Das Kloster wurde von Kaiser Ludwig dem Bayern am 28.April 1330, dem Tag des heiligen Vitalis, als Teil eines Gelöbnisses gegründet.

Der Heilige Benedikt hatte bereits in seiner Regel bestimmt, dass das Kloster so angelegt werde, dass sich alles Notwendige innerhalb der Klostermauern befinde. Die Verwirklichung dieses Anliegens kann man anhand der drei Höfe nachvollziehen, die sich um die Kirche gruppieren:

  • Im großen Innenhof vor der Kirche sind im Südflügel Schule, Buchhandlung, Klosterladen und Klosterverwaltung untergebracht, im West- und Nordflügel finden sich die Räume des Internats. So ist der Hof einerseits der imposante Zugangsbereich für die Besucher unserer Basilika, andererseits aber auch der mit Leben gefüllte Pausenplatz für unsere Schüler.
  • Um den links neben der Kirche gelegenen Brauereihof befinden sich – wie der Name schon sagt – die Brauerei und die Destillerie. In unmittelbarer Nähe sind weitere Handwerksbetriebe wie Gärtnerei, Schlosserei, Schreinerei und Wäscherei untergebracht. Etwas weiter bergauf gelangt man zur Landwirtschaft des Klosters.
  • Die sog. Klausur, d.h. der abgeschlossene Wohnbereich der Mönche, umschließt den rechts neben der Kirche gelegenen Klausurgarten.

Spiritualität

Das dreifache Gelübde, welches der Mönch ablegt, ist ihm dabei Hilfe und Stütze: Der „Gehorsam“ hilft dazu, ein Leben lang einzuüben, auf Christus zu hören, das Gelübde der „Conversatio morum“ lässt uns immer wieder neu zu Christus hin umkehren und das Gelübde der „Beständigkeit“ lehrt uns, immer mehr den Halt an Christus zu gewinnen.



Aha! Cool ...

Ludwig der Bayer, der 1328 nach seiner Kaiserkrönung in Rom in Not geraten war, betete der Überlieferung nach, in einer Kapelle und rief die Gottesmutter um Hilfe an. Da erschien ihm ein Engel im Mönchsgewand, machte ihm das Marienbild (die sogenannte „Ettaler Madonna“) zum Geschenk und erteilte ihm den Auftrag das Kloster zu gründen.

Als der Kaiser nach Wochen den heimatlichen Ammergau erreichte, fühlte er, wie das mitgeführte Marienbild immer schwerer wurde und sein Pferd schließlich vor einer Tanne an der Straße dreimal in die Knie sank. Der Kaiser sah das als Mahnung des Himmels, an dieser Stelle sein Versprechen der Klostergründung einzulösen.

Er ließ den Wald rund um die Tanne roden und legte am 28. April 1330 den Grundstein zu Kirche und Kloster. Mit der frommen Gelöbnisstiftung waren praktische Zwecke verbunden, wie die Sicherung der Handelswege nach Süden (Augsburg – Verona), die Erschließung der Gegend und die Errichtung einer Stiftung für Ritter und ihre Frauen.



Unglaublich - Exkommunizierter gründet Kloster ...

Ludwig befand sich im Streit mit dem Avignoner Papst Johannes XXII, vordergründig um Glaubensfragen, eigentlich um politische Vorrangstellung. Nachdem sich Ludwig in Rom von Sciarra Colonna zum Kaiser hat krönen lassen, erklärte der Papst diese Krönung für nichtig, und Ludwig verkündete die Absetzung des Papstes.

Vom Papst als Ketzer bezeichnet, gründete also der nun Exkommunizierte im „Ampferang“ (ursprünglich hieß das Hochtal zwischen Loisach und den Ammergauer Bergen „Ampferang“)  das Benediktinerkloster mit angeschlossenem adeligen Ritterstift. Der Zentralbau der Kirche, ein Polygon, dessen gewaltige Mittelsäule das Gewölbe trug, war für die Zeit der Gotik ungewöhnlich.

Der Kaiser hatte vermutlich die Idee, hier einen Gralstempel zu schaffen, in dem das Gnadenbild, eine Madonna mit Kind, als heiliger Gral verehrt wird. Zwischen 1330 und 1370 wurde die Klosterkirche im Stil der Gotik errichtet und am 5.Mai 1370 geweiht. Das Ritterstift wurde bald nach dem Tod des Kaisers wieder aufgelöst.

Erst über 300 Jahre nach der Gründung, Ende des 17. Jahrhunderts, begann der Aufschwung, der das Kloster dann im 18. Jahrhundert bis zur Säkularisation 1803 zu einem bedeutenden und florierenden Ort werden ließ. Ab dem 17. Jahrhundert erfreut sich auch die Wallfahrt nach Ettal großer Beliebtheit.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gründete der weltaufgeschlossene Abt, Plazidus II. Seitz (1709 – 1736) die Ritterakademie (Zwischenform von Gymnasium und Universität) und gründete somit die schulische Tradition Ettals. Aufgabe der Schule sollte es sein, junge Menschen – nicht nur Adelige – in einer abgeschiedenen Atmosphäre, auf ihre späteren Aufgaben in Staat, Gesellschaft und Kirche vorzubereiten.



Was gibt es prickelndes zu sehen?


Benedektinerabtei

Bis zum Kirchenbrand 1744, dem der 1370 geweihte gotische Zentralbau zum Opfer fiel, stand das Gnadenbild (33cm groß und 12kg schwere Plastik aus Carrara-Marmor – ein Werk des Bildhauers Giovanni Pisano) auf dem Altar an der Mittelsäule, die, einer riesigen Palme gleich – das Gewölbe nach allen Seiten trug.

Kuppel Benedektinerabtei Kloster Ettal, Deckenfresko von Johann Baptist Zimmermann

Die gotische Zwölfeckanlage des 14. Jahrhunderts wurde, nach dem Brand, barock ummantelt, es entstand die mächtige Rundkuppel über dem Grundriss; die Mittelsäule wurde entfernt. Beim Betreten des Kirchenraumes wird der Blick somit auf das imposante Deckenfresko des Kuppelraumes gelenkt, das den benediktinischen Himmel zeigt.  Das Innere der Kirche ist auffällig hell.

Nach den Wirren der Säkularisation erhob Papst Benedikt XV. die Kirche 1920 in den Rang einer Basilica minor. Seit 1905 beherbergt das Kloster zudem das Benediktinergymnasium Ettal. Wallfahrer pilgern zu der bekannten Marienstatue, der Ettaler Madona, die sich heute auf dem Hochaltar befindet.


Brauerei Kloster Ettal

Brauerei Kloster Ettal

Das Kloster betreibt außerdem eine Brauerei. Die Herstellung des Bieres, dem flüssigen Brot Bayerns, hat in Ettal eine über 400 Jahre ununterbrochene Tradition. Im Brauereimuseum kann man auf über 500 qm eine spannende Zeitreise durch die Geschichte des Bierbrauens erleben.

Auch die Herstellung der Klosterliköre hat im Kloster Ettal eine altbewährte Tradition. Schon im Mittelalter suchten die Mönche von Ettal heilsame Pflanzen und zogen im eigenen Garten die unterschiedlichsten Kräuter. Aus ihnen entstanden in der sachkundigen Hand des Klosterapothekers jene geheimnisvollen Mischungen, die auch heute noch Verwendung finden.

Außerdem gehören eine Buchhandlung, einen Kunstverlag, ein Hotel, mehrere Gasthöfe und eine Anzahl kleinerer Wirtschaftsbetriebe zum operativen Geschäft des Klosters.


Kloster Ettal ist das kulturelle Zentrum der Ammergauer Alpen



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Kloster Ettal

Kaiser-Ludwig-Platz 1

82488 Ettal


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About the author

Es ist wertvoller einen Ort im Detail zu erleben, als viele kleine Eindrücke eines unbegreifbaren Ganzen. Genius Loci - den Geist eines Ortes für sich zu entdecken, einzufangen und zu erleben. Wahrnehmen - verstehen - genießen! Als diplomierter Wirtschaftsingenieur mit zusätzlichem MBA-Studium an renommierter Universität in England (EMBA, EQUIS und AACSB akkreditiert) habe ich mehr als 30 Jahre auf C-Level (Vorstand Marketing und Vertrieb weltweit) für andere oft überraschende Wege zum Erfolg aufgezeigt.

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