Februar 8

0 comments

Milch ist nicht gleich Milch – Landkäserei in Kreuth

By Frank

Februar 8, 2023


2007 entschloss sich ein gutes Dutzend Landwirte aus dem Tegernseer Tal, die Verantwortung für Qualität, Veredelung und Vermarktung ihrer Milch selbst in die Hand zu nehmen. Warum? Weil das, was mit viel Einsatz und tiefer Überzeugung produzierten, von vielen Seiten entwertet wurde: Der Milchpreis war im freien Fall, der Ruf der Milch wurde immer wieder durch Skandale erschüttert.


Aha! Cool ...

Wenn wir „Milch“ sagen meinen wir stets Kuhmilch. Milch ist die Ernährungsgrundlage für alle Neugeborenen, ab dem Tag der Geburt bis die kleinen Säugetiere allein fressen können. Die erste Milch ist dabei nicht nur besonders reich an Nährstoffen sondern auch an Immunstoffen. Diese erste Milch nennt man Kolostrum und bei Kühen „Biestmilch“.

Kuhmilch entsteht im Euter. Der Kuheuter enthält eine unermessliche Zahl sehr kleiner Milchbläschen. Die Milchbläschen filtern diejenigen Inhaltsstoffe aus dem Blut, die in Ihrer Gesamtheit Milch ergeben: Eiweiß, Fett und Milchzucker, Kalzium und andere Mineralstoffe sowie viele Vitamine.

Die feinen Milchkanäle nehmen die Milch auf, fließen zusammen und münden in die vier Zitzen des Kuh-Euters. Aus Blut wird also Milch. Für die Bildung von einem Liter Milch fließen ca. 400 Liter Blut durch das Euter. Bewundernswert ist die Leistung auch, weil sie von normalen Milchkühen an 300 Tagen im Jahr vollbracht wird – und dass quasi ihr Leben lang.

In der Milchindustrie in Deutschland gibt es rund 4,1 Mio Milchkühe. Ungefähr ein Drittel davon leben in Bayern, ein Fünftel in Niedersachsen und 10% in Nordrheinwestfalen. Rund 26 Mrd. Euro Umsatz werden in der Milchwirtschaft generiert. Der Anteil Deutschlands mit 32.493 Tonnen Milch repräsentiert in den 19 Ländern der EU beträgt satte 25%.



Die Verteilung der Anzahl Milchkühe nach Bundesland hebt die Wichtigkeit Bayerns hervor:

  • Bayern  -  1.154.373   [28%]
  • Niedersachsen  -  849.192   [21%]
  • NRW  -  409.192   [10%]
  • alle anderen Bundesländer zusammen   [31%]


Fakten zur Kuhhaltung, die der Allgemeinheit eher verschwiegen werden:

  • 13% der Kälber werden kein Jahr alt – betrifft ca. 700.000 Jungtiere allein in Bayern
  • Nach 18 Monaten Besamung für 1.Kalb (erst dann produziert die Kuh Milch)
  • Laktation: 305 Tage pro Jahr
  • Eine Kuh wird etwa 5 Jahre alt – dabei könnte sie 15-20 Jahre alt werden
Milch ist nicht gleich Milch – Landkäserei  in Kreuth


"Mathematik" der Milchbaueren


Wenn eine Kuh pro Jahr ein Kalb gebärt, verdoppelt sich die Herde - deswegen sortieren die Landwirte jedes Jahr durchschnittlich 37% der Herde aus:

  • 41% Krankheiten (Euter, Klauen, Stoffwechsel…)
  • 19 % Fruchtbarkeitsstörungen (jede 4.Kuh wird deswegen geschlachtet)

Hochleistungs-kühe

vs

glückliche  Kühe

50er Jahre:           2500 Liter Milch pro Kuh und Jahr


Heute:   9000 Liter (Spitzenkühe bis zu 19.000 Liter)


Früher waren Bauern stolz auf Milchkühe mit einer Lebensleistung von 100.000 Litern Milch. Diese Milchmengen hatten Kühe in 15 – 20 Jahren gegeben…

Heute gibt es Hochleistungskühe, die 30.000 Liter pro Jahr geben. Das sind durchschnittlich 100 Liter pro Tag! Das Herz einer solchen Kuh muss 40.000 Liter Blut pro Tag durch das Euter pumpen.


Kein Wunder, dass eine Hochleistungskuh nach wenigen Jahren vollkommen ausgelaugt ist.


Eine moderne Milchkuh heute gibt pro Tag im Durchschnitt 50 Liter Milch. 1 Liter Milch enthält 4% Fett und 3,5% Eiweiß.

Die Kuh verliert mit der Milch täglich 2kg Fett (ungefähr 10 Päckchen Butter!)

In Ihrer Tagesmilch sind 1,75kg reines Eiweiß – so viel wie in 230 Hühnereiern! Diese Mengen an Inhaltsstoffen muss die Milchkuh jeden Tag produzieren und entsprechend viel fressen. Und – das schafft sie nicht mit Heu und Gras. Man füttert ganz andere Futtermittel…


Eine glückliche Kuh auf der Weide gibt nur 20-25 Liter Milch. Die Milch der grasenden Kuh ist gehaltvoller, mit mehr Eiweiß und gesünderem Fett!





Unglaublich - Pasteurisierung nützt nur der Milchindustrie!

Die Tatsache, dass der Mensch die Milch der Kuh trinken will, aber gleichzeitig das Saugen direkt von ihrem Euter (vermutlich aus ästhetischen Gründen ablehnt, ist an sich seltsam genug. Die heute überall zum Verkauf stehende Milch hat nichts mehr mit der Milch zu tun, die dem Euter entspringt.

Was geschieht mit der Milch – 9 Schritte bevor sie beim Verbraucher eintrifft?

  1. Maschinell gemolken, sodann
  2. einer unnatürlichen Kühlung unterzogen,
  3. einige Tage lang gelagert, dann
  4. erhitzt,
  5. homogenisiert
  6. im Fettgehalt reduziert oder angepasst,
  7. mit Höchstgeschwindigkeit und hohem Druck durch endlose Stahlrohre gepumpt.
  8. durch eine Abfüllstrasse gejagt und schließlich – als mittlerweile künstliches Produkt
  9. in Glas, meistens aber in beschichtete Kunststofftüten abgefüllt


Heute melken keine schwieligen Bauernhände mehr. Derjenige, der die Aufsicht über die Milchkühe eines Milchbetriebes (früher hieß das Stall…) hat, wird Produktions- bzw. Anlagenleiter genannt und sollte den Titel „Diplom Agraringenieur, Fachrichtung Tierproduktion mit Schwerpunkt Rind“ tragen. 

Melken von Hand ist nicht nur anstrengend, sondern auch aus Hygiene von Gesundheits- und Veterinärämtern nicht gerne gesehen.


Unter  natürlichen Umständen  erblickt  Milch  niemals  das Tageslicht

Sie wird vom Säugling „direkt aus der Quelle“ getrunken.  Kommt sie nun aber - völlig entgegen ihrer Bestimmung – mit Licht und Luft in Berührung, muss sie - so will es die Natur – schnellstmöglich vernichtet, d.h. durch Bakterien abgebaut werden.



Milch ist ein regelrechter Magnet für Mikroorganismen. Sie vermehren sich in der Milch und kompostieren sie. Die Ansiedlung von sog. Krankheitserregern lässt sich am Geschmack jedoch nicht gleiche erkennen. Deshalb wird Milch vorsorglich erhitzt, bevor sie in den Handel kommt. Das nennt man pasteurisieren.

In der Natur wird Kuhmilch nie mit Temperaturen konfrontiert, die über oder unter der Kuhkörpertemperatur (ca. 38 Grad) liegen.

Während der lebensmitteltechnologischen Verarbeitung erfährt die Milch neben der Kühlung jetzt das Gegenteil, nämlich eine Erhitzung auf mindestens 72 Grad Celsius (Pasteurisieren) und auf etwa 135 Grad Celsius bei der Ultrahocherhitzung (hier nennt man das Ergebnis „H-Milch).

Bakterien, die der Säugling (Kalb) mit der Muttermilch trinkt, sind Mikroorganismen, die ihm helfen ein starkes Immunsystem zu entwickeln. Pasteurisierte Milch hingegen ist eine leblose Angelegenheit. Warum aber stirbt das Kalb oft nach spätestens einem halben Jahr, wenn es ausschließlich der Milch seiner Mutter in pasteurisierter Form erhält?

Pasteurisierung und all die anderen Verfahren, mit denen Milch behandelt wird, nützen der Milchindustrie, sonst niemandem! Man kann die empfindliche Substanz nämlich jetzt in riesigen Mengen auf Vorrat lagern, über weite Strecken transportieren und problemlos zu allerlei Produkten weiterverarbeiten, ohne von plötzlichem Verderb überrascht zu werden.

Im Jahre 1937 wurde vom Leiter des Bakteriologischen Instituts der Preußischen Versuchs- und Forschungsanstalt beim 11. Milchkongress in Berlin verkündet:

„angesichts der Tuberkuloseerkrankungen bei Kühen ergibt sich die Notwendigkeit einer Pasteurisierung, bis die Verhältnisse am Orte der Milcherzeugung den hygienischen Belangen entsprechen. Dann soll eine Rohmilchversorgung eintreten.“ 

Die Pasteurisierung war also ursprünglich nur eine Not- und Übergangslösung!



Was gibt es prickelndes zu sehen bzw. schmecken?

Im Bergsteigerdorf Kreuth, (zuvor beschrieben als eng verknüpft mit der Gründung des Klosters Tegernsee am Fuße des Wallbergs) liegt die Naturkäserei Tegernseer Land. Gegründet wurde die Genossenschaft 2007 mit dem Ziel, ehrliche, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben und hochwertige Produkte aus tagesfrischer Heumilch zu schaffen.


Ein gustatorisches Erlebnis! 

Probieren Sie es…

Milch ist nicht gleich Milch – Landkäserei  in Kreuth

Naturkäserei



Tegernseer Landkäserei

Reißenbichlweg 1

83708 Kreuth



About the author

Es ist wertvoller einen Ort im Detail zu erleben, als viele kleine Eindrücke eines unbegreifbaren Ganzen.

Genius Loci - den Geist eines Ortes für sich zu entdecken, einzufangen und zu erleben. Wahrnehmen - verstehen - genießen!

Als diplomierter Wirtschaftsingenieur mit zusätzlichem MBA-Studium an renommierter Universität in England (EMBA, EQUIS und AACSB akkreditiert) habe ich mehr als 30 Jahre auf C-Level (Vorstand Marketing und Vertrieb weltweit) für andere oft überraschende Wege zum Erfolg aufgezeigt.

You might also like

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Never miss a good story!

 Subscribe to our newsletter to keep up with the latest trends!

>