Juni 12

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München – Tradition und Zukunft gehen Hand in Hand

By Frank

Juni 12, 2020


Notorisch wundervoll“, so drückte es der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Thomas Mann aus. Der Freistaat hat viel zu bieten – Weltbekanntes wie Unbekanntes, Kultur wie ebenso Natur. Bayern überzeugt als liebenswerter Lebensraum und Wirtschaftsstandort.

In Bayern  ist so gut wie alles anders, demnach ticken hier auch die Uhren anders. Das glauben Sie nicht? Na dann gehen Sie doch mal zum Münchner Isartor und schauen sich die Uhren genau an. Bei der Uhr auf der Westseite ist beim Ablesen der Zeit Umdenken gefragt: Das Ziffernblatt ist spiegelverkehrt, das goldene Zeigerpaar läuft rückwärts... Es war Willy Brandt (Bundeskanzler von 1969 - 1974), der den Satz prägte: "In Bayern gehen die Uhren anders." In Bayern ist schließlich manches möglich, was woanders unmöglich wäre.


Die Geschichte Bayerns reicht bis ins 6.Jahrhundert n.Chr. zurück. Früher ein mächtiges Herzogtum, später eine konstitutionelle Monarchie, kurz nach dem ersten Weltkrieg eine kommunistisch beherrschte Räterepublik, verlor dann die Eigenständigkeit unter dem NS-Regime, um dann 1946 per Volksentscheid die Verfassung zum Freistaat anzunehmen.



Als Landeshauptstadt von Bayern spielt München in diesem kleinen Paradies, sowohl in der Vergangenheit bis zum heutigen Tage eine interessante und gewichtige Rolle. Ausgrabungen im Altstadtbereich zeigen, dass das Stadtzentrum von München bereits am Ende der Jungsteinzeit, etwa 2000 vor Christus, besiedelt war...

Es galt und gilt baukulturelle Leitsätze zu berücksichtigen und umzusetzen wie z.B.:

  • Lebensqualität der Stadtbewohner verbessern
  • Wirtschaft stärken und Arbeit sicherstellen
  • Ästhetische Ansprüche und Benutzungsqualität sicherstellen
  • Nährboden für Bildung und Kultur schaffen
  • Finanzen und Verwaltung effektiv organisieren
  • Heute zusätzlich: Themen wie Natur und Landschaft, Freizeit und Sport relevant



Mit Salz fing alles an ....


Von der Fassade des Alten Rathauses blickt ein Standbild Heinrichs des Löwen auf die Salzstraße herab, die vom Isartor her das Tal durchzog. Das "weiße Gold" hatte ihn veranlaßt, 1156 die Isarbrücke bei Föhring zu zerstören. Denn über diese Brücke führte die Salzstraße und brachte dem Bischof von Freising Markt- und Brückenzölle ein. Heinrich baute seine eigene Isarbrücke (etwa an der Stelle der heutigen Ludwigsbrücke) und leitete die Salzstraße um...


Alte Salzstrasse

Salz – kostbarer als Gold 

Salz steht heute im Supermarkt meist ganz unten im Regal. Das Pfund gibt es schon für 15 Cent. Über Jahrtausende war Salz das einzige Mittel, um Fisch, Fleisch, Früchte und Gemüse längere Zeit haltbar zu machen. Als Pökeln ist diese Art der Konservierung fast überall auf der Welt bekannt. Schon 250 v.Chr. führten beispielsweise die Chinesen eine Salzsteuer ein, um Staatseinkünfte zu erhöhen. Der Bau der Großen Mauer wurde seinerzeit mit Salz finanziert.

  • Die Römer haben Ihre Soldaten mit Salz bezahlt. Daher die Bezeichnung Salär (vom lateinischen „Sal“ für Salz). 
  • Salat ist das gesalzene Grünzeug, und die Salami gesalzenes Fleisch. Salz ist unter den Edelsteinen der Kostbarste (Zitat: „Justus von Liebig“ – Erfinder von „Maggi“). Es ist das einzige Mineral, das der Menschen essen kann – und muss.
  • Schon die Kelten hatten in der Nähe der österreichischen Stadt Hallein (von griechischen „hal“ für Salz) Salz abgebaut. Von Reichenhall führte eine der Salzstraßen nach München.
  • Wo mit Salz gesättigtes Wasser, so genannte Sole, gefördert wurde, musste diese in großen Pfannen über offenem Feuer gekocht werden. Das Wasser verdampfte, und es bilden sich Salzkristalle. Daher auch der Ausdruck Kochsalz.
  • Salz lässt sich auch direkt aus dem Meer gewinnen. Die Sizilianer siedeten Meerwasser. Die Venezianer dagegen legten ein System von Becken an und nutzten die Sonnenenergie, um Meerwasser verdunsten zu lassen. Kein Staat hat seine Wirtschaft so sehr auf Salz gegründet wie Venedig.


Die Siedlung "apud Munichen" entwickelte sich zu einer der bedeutensten Salzhandelsstädte an der Salzstraße. 

Salz war kostbar!



Stadtentwicklung Münchens über in drei Phasen

  1. Phase 1: von der Gründung 1156 bis zur ersten Stadtmauer. Situativer und projektbezogener Inkrementalismus, wie bei wahrscheinlich jeder Stadtgründung, sind dabei in der Anfangsphase ganz normal.
  2. Phase 2: Agenda 1800 - es geht los... Das neue München. Ab 1800 fand der Wechsel zu mehr systematischer Planung statt. Stadtplanung verlangt eine interdisziplinäre, integrierte und zukunftsgerichtete Herangehensweise.
  3. Phase 3: 1860 - 1918 Die Auflassung des Festungsrings gleicht einer Wegbereitung zur Industrialisierung und Stadtentwicklung als Lebensraum für die wachsende Bevölkerung.



Phase 1: Von der Gründung bis zur ersten Stadtmauer


„Apud Munichen“ – bei den Mönchen

Der Name München geht vermutlich auf die Ortsangabe 'apud Munichen' – 'bei den Mönchen' zurück‘. Siegel und Wappen der Stadt spielen auf diese Herkunft an. Die Herrschaftsverhältnisse in München waren durch ein ständiges Wechselspiel zwischen Herzog, Kirche und Bürgerschaft bestimmt. Nach der Gründung des Ortes erhielt Heinrich der Löwe das Recht, Markt und Münze zu nutzen.

Innerhalb dreier Herrschergenerationen entstanden ausgedehnte Bauwerke des Hofes und der Kirche. Herzog Wilhelm V. ließ das Jesuitenkolleg mit der St. Michaelskirche und die Wilhelminische Feste, die spätere Maxburg errichten. Sein Sohn, Kurfürst Maximilian I baute die Residenz zu eindrucksvoller Größe aus. Eine Generation später holten Kurfürst Ferdinand Maria und seine Gemahlin den Orden der Theatiner nach München.

Auf dem Marktplatz konzentrierte sich über Jahrhunderte das Leben der Stadt. Außer dem Salz-, Wein-, und Tuchhandel war vor allem die Getreideschranne von Bedeutung.


Stadt am Wasser – die Isar als Wasserstraße

Die Lage am Fluss spielte für die Entwicklung Münchens eine wichtige Rolle. Bis weit ins 19.Jahrhundert diente die Isar als Transportweg aus dem Süden nach München und von dort nach Wien und in die Donauländer. Aus dieser Zeit stammt auch das dreitägige Stapelrecht. Auswärtige Floßmeister mussten die transportierten Waren drei Tage lang in München zum allgemeinen Verkauf anbieten. Zu den Handelswaren gehörten Baumwolle, Gewürze, Südfrüchte, Öl und Wein aus Italien. In Spitzenzeiten in den Jahren 1860 – 1876 landeten jährlich etwa 10.000 Flöße in München an (bis zu 50 Flöße täglich).

Allein für den Bau der Frauenkirche ist in den Jahren 1473 – 1475 das Holz von 147 Flößen gebraucht worden, davon allein 630 Festmeter Rundholz für den Bau des Dachstuhls. Ein Floß bestand in der Regel aus 18 bis 20 Baumstämmen, die mit Querstämmen, den Rochen zu einer Floßtafel verbunden waren. Etwa ein Fünftel der Flöße führ über München hinaus, meist mit Holzlieferungen. Der Münchner Floßhafen galt als der größte in Europa.

Isar Höhe Volksbad und Gasteig

Mit der Entwicklung des Schienenverkehrs und der Dampfschifffahrt standen später effektivere Transportmittel zur Verfügung. Zugleich entstanden vermehrt konkurrierende Nutzungen der Fließgewässer, wie z. B. Wasserkraftwerke.


Stadtbäche – Lebensadern einer Stadt

Nicht weniger wichtig als der Fluss waren die Stadtbäche in München. Die Isar hatte als Gebirgsfluss mit stark wechselnden Wasserständen ursprünglich ein weit verzweigtes Netz von Seitenarmen. Diese natürlichen Verzweigungen wurden im Lauf der Stadtentwicklung reguliert, befestigt und durch weitere Bachstrecken ergänzt. Auch wenn der größte Teil der früheren Stadtbäche nicht mehr existiert - von den ehemals 300 km Bächen und Kanälen im heutigen Stadtgebiet führen heute nur noch 174 km Wasser.

Gleichzeitig war es immer auch eine wichtige Aufgabe für die Stadtgemeinde, den Lauf des Flusses und der Bäche zu sichern, Hochwasserschäden zu beheben und die Wasserhaltung des einfachen aber effizienten Systems für das Gewerbe zu gewährleisten.

  • Energie für die Mühlen
  • Stadtbefestigung
  • Trinkwasserversorgung
  • Abwasserentsorgung


ABER:

Im 19. Jahrhundert gleicht München einer öffentlichen Latrine. Überall wird Gülle gelagert oder entsorgt, die Menschen leiden unter Typhus und Cholera. Max von Pettenkofer erkennt: Die Stadt muss sauberer werden, beschließt etwas zu ändern. Er macht aus Hygiene eine Wissenschaft.

Im Jahr 1865 errichtet er, inzwischen als Rektor der LMU, ein Institut für Hygiene, dessen erster Professor er wird. Außerdem kämpft er öffentlich für eine zentrale städtische Kanalisierung der Abwässer, eine zentrale Trinwasserversorgung und einen zentralen Schlachthof.



Phase 2: Agenda 1800 - es geht los... Das neue München

Ab 1800 fand der Wechsel zu mehr systematischer Planung statt. Stadtentwicklung verlangt eine interdisziplinäre, integrierte und zukunftsgerichtete Herangehensweise. Eine Stadt ist ein hochkomplexes Gebilde, bestehend aus unterschiedlichen Schichten und Strukturen, die miteinander verwoben und sich gegenseitig bedingen.

Verbesserung der Lebensqualität hieß sich vom alten Image des verdreckten, hektischen und schon damals lärmenden Molochs zu lösen und fortdauernde Stadtentwicklung als Lebensraum für die wachsende Bevölkerung zu schaffen.

Folgend den napoleonischen Kriegen wurde Bayern, nach dem Zugewinn neuer Provinzen, 1806 zum Königreich erhoben. Die Staatsverwaltung wurde in München zentralisiert. Somit kam der repräsentativen Stadtgestaltung von München eine neue, sehr wichtige Bedeutung zu.

Zur Verwirklichung der repräsentativen Stadtgestaltung waren folgende Projekte notwendig:

  • Entgrenzung der Altstadt
  • Neugestaltung des Festungsgeländes
  • Erschließung neuer Siedlungsgebiete für die Stadterweiterung
  • städtebauliche Aufwertung der Residenz



Entgrenzung der Altstadt - Ausbruch aus den Festungsmauern

1795 entschied Kurfürst Carl Theodor, dass München „keine Festung seie, seyn könne, noch sein solle.“ Seit Gründung war München ein befestigter Ort und durch die mittelalterlichen Stadtmauern und barocken Festungswerke begrenzt. Die Zeit nagte deutlich an diesen Verteidigungswerken und hielten im Zweifelsfalle moderner Kriegstechnik nicht stand. (siehe auch Entwicklung von Burgen zu Schlössern).

Mit der Entfestigung begann der Wandel zu einer neuen Offenheit und an Stelle statischer Beharrung trat dynamisches Wachstum mit ständiger Veränderung. Die Bevölkerung nahm das oft nur unter großem Protest zur Kenntnis. Der heutige Karlsplatz, besser bekannt als Stachus ist so ein markantes Beispiel.

Der seinerzeit schmale verwinkelte Torweg durch die Wallanlage war dem modernen Verkehr nicht gewachsen, dennoch nahmen die Bewohner Münchens die Einebnung der Schutzmauer und damit potentieller Verwundbarkeit dem Kurfürsten übel. Sie weigerten sich die Namensgebung für den Platz zu akzeptieren und haben diesen kurzerhand in Stachus umbenannt (angelehnt an den Wirt des Biergartens Eustachius Förderl). Dieses Phänomen der doppelten Namensgebung, selbst auf international erhältlichem Kartenmaterial, für ein und denselben Platz, ist weltweit einzigartig.

Die Planung der heutigen Platzanlage mit dem rahmenden Rondell und den gradlinigen Flügeln vom heutigen Lenbachplatz bis an die Herzogspitalstraße entsprang der visuellen Kreativität des Reichsgrafen von Rumford und wurde den Architekten des Hofbauamts zur Ausführung übertragen.


Erschließung des Burgfriedens als Lebensraum – der Englische Garten

Der mittelalterliche Grundriss der Stadt München war seinerzeit von der Stadtmauer eng eingeschlossen. Zu Verteidigungszwecken mittlerweile nutzlos versperrte sie jedoch der Stadterweiterung den Weg. Bevor jedoch der Abriss der Verteidigungsanlagen vollzogen war begannen die Planer mit der Gestaltung des Englischen Gartens die Grenzen Münchens zu überspringen.

Englischer Garten mit Monopteros

Die 375 Hektar große Grünanlage war die erste öffentliche Grünanlage in München, die als Volksgarten allen Bürgern geöffnet war. Bis heute ist er einer der größten Parkanlagen und Erholungsgebiete innerhalb der Stadt weltweit. Die Bezeichnung Englischer Garten wurde von den englischen Landschaftsgärten übernommen, die Friedrich Ludwig von Sckell bei der Gestaltung des Geländes zum Vorbild genommen hatte.

Die Parkanlage entlang der Ruhmeshalle (Theresienwiese), die Maximiliansanlagen an der Isar, der Luitpoldpark entstanden nach dem Vorbild des Englischen Gartens. Liberalitas BavariaeLeben und leben lassen. Die Lebensqualität der Stadtbewohner verbessern. So entsteht Zufriedenheit bei den Bewohnern Münchens.


Residenz aus beengter Lage befreien

Die Residenz war nach Süden durch ein großes Kloster eng umbaut und trat somit kaum in Erscheinung. Die Säkularisation 1803 schuf nun die Rahmenbedingungen, das Kloster zu einer großen Fläche einzuebnen, die Residenz damit zu befreien während die Pläne zur Neugestaltung des Residenzplatzes schon reiften. Der Platz sollte schließlich die neuerworbene Würde zum Ausdruck bringen.

Das endgültige Aussehen erhielt der Platz erst mit der Zeit durch die Neubauprojekte dreier Könige – das Nationaltheater, den Königsbau und die Kolonnade im Süden.

oben: Residenzplatz vorher                                                                                                           Bildquelle: Uni Oldenburg

oben: Residenzplatz nachher                                                                                                       Bildquelle: Uni Oldenburg


Das Denkmal von König Max I Joseph bildet das Zentrum und somit den Fokus. Interessanterweise sitzt dieser ohne Krone und ohne Zepter und bringt damit seine Volksverbundenheit zum Ausdruck. Vollendet wurde das Ensemble durch die Vollendung der Maximilianstrasse mit dem Maximilianeum als Krone und Endpunkt am jenseitigen Hochufer der Isar.

Auch das Gelände der Residenz im Norden sollte durch einen repräsentativen Vorplatz aufgewertet werden, dem heutigen Odeonsplatz. Wesentliche Anregungen und Ideen stammten zwar vom Stararchitekten Sckell, dennoch erhielt Klenze den Zuschlag zur Gesamtplanung des Platzes und der zukünftigen Prachtstraße (Ludwigstraße) zumal er auch als Mittelsmann den Kauf der Grundstücke, aus den Privatmitteln des Kronprinzen Ludwig I, verdeckt vornahm.

Der Ansatz spiegelte die Vorliebe des Bauherrn Ludwig I für Italien wieder und sah eine Piazza mit gradliniger Straße nach Norden vor (Ludwigstraße). Die Anlage dieser Straßenachse verschob wie gewünscht das städtebauliche Schwergewicht Münchens aus dem ursprünglichen Zentrum hin zur Residenz. Abriss des vormals der Feste Münchens angehörenden Schwabinger Tors, Bau der Feldherrnhalle (nach Vorbild der florentinischen Loggia dei Lanzi) wurde erst 1841 – 44 durchgeführt.

Im gleichen Zeitrahmen erteilte Ludwig seinem Architekten Gärtner den Auftrag zur Durchführung des geplanten Siegestors in 1km Entfernung zur Feldherrnhalle, um ein repräsentatives Ende der Straße an beiden Enden vorzusehen. Das Konzept, an das Vorbild der Metropolen Rom, Florenz und Paris angelehnt, sah vor entlang der zukünftigen Prachtstraße geschlossene Häuserzeilen und Baublöcke als Platzwände vorzusehen.

Zur Finanzierung der königlichen Magistrale wurden nun öffentliche und halböffentliche Institutionen auf Druck des Königs gezwungen die langen Straßenfluchten zu füllen. König Ludwig zwang die Stadtgemeinde auch den Bau der Ludwigskirche zu finanzieren, wofür sie sich hoch verschulden musste. Genauer unter Androhung Sitz der Residenz und Universität woanders hin zu verlegen, gab die Stadt nach. Die Rückzahlung der französischen Anleihen brachte die Stadt an den Rand des finanziellen Ruins.


Odeonsplatz und Wittelsbacher Fürstenweg – die Brienner Straße

Von der Münchener Residenz zum Schloss Nymphenburg gab es eine direkte Verbindung bekannt als Wittelsbacher Fürstenweg - Bayerns Regenten ließen sich seinerzeit mit der Pferdekutsche von der Residenz zum Schloss Nymphenburg fahren.

Unter König Ludwig I wurde dieser Wittelsbacher Fürstenweg als Achse Richtung Westen zur Brienner Straße ausgebaut und vollendet. Dabei setzte Ludwig I seine Vorstellungen eines „Isar-Athens“ vor allem am Königsplatz um. Glyptothek, Antikensammlung und Propyläen sind sprechendes Zeugnis für die Griechenlandbegeisterung König Ludwig I und die Regentschaft seines Sohnes Otto in Griechenland.

Königsplatz mit Glyptothek

Zwischen Ludwigstraße und Königsplatz wurde der Karolinenplatz als Strahlenplatz konzipiert. Durch diese und andere Plätze unterbrach der Architekt Friedrich Ludwig Sckell den starren Rasterplan der Maxvorstadt und lies eine Rhythmisierung der Prachtstraße entstehen.


Häme über die „Hosentürl-Gotik“ - die Maximilianstraße

Die Maximilianstrasse ist eine weitere der vier Prachtstraßen Münchens und wurde zwischen 1851 und 1874 angelegt. Die großzügige Prachtstraße mit dem Maximilianeum als End- und Kulminationspunkt (eine volksnahe Stiftung, die talentvollen, bayerischen Jünglingen jeden Standes zum Studium verhelfen sollte) schlug die Brücke über die Isar.


König Max II wollte sich nach dem Vorbild seines Vaters König Ludwig I mit einer ähnlichen Prachtstraße wie der Ludwigstraße ein Denkmal in München setzen. Mit diesem Projekt wollte er auch seine Vorstellung eines neuen Baustils der Fassaden umsetzen.

Bewusst wurde eine neue Entwicklungsachse Richtung Osten gewählt und des Königs Vorstellung nach sollten die besten Elemente historischer Vorbilder, die lieblichen Formen der alpenländischen Berghütten mit moderner Bautechnik verbunden werden.

Die Höhe der Bauwerke war durch den königlichen Feldsalat bestimmt – auch bei niedrigstem Sonnenstand im Winter durfte er nicht im Schatten der Häuser stehen. Was herauskam aus Kranzgesimsen, Spitzbogenfriesen und englisch-gotischen Elementen war dem Spott ungebremst ausgesetzt. Sein Vater Ludwig I äußerte sich sehr kurz: „Pfui Teufel“…

Der Druck auf den König Max II, wegen seiner Straße, war letztlich so groß, dass letztlich der Architekt Bürklein zum Sündenbock gemacht wurde, dem alle weiteren Aufträge entzogen wurden, und dieser nach einem Nervenzusammenbruch 59-jährig verstarb. Dennoch ist sie aus städtebaulicher Sicht für München einzigartig. Heute ist sie mondäne und exklusive Einkaufsmeile.


Drei Könige fürs Neue Stadtbild

Drei Könige waren zwischen 1806 und 1864 als Bauherrn und Förderer an der Gestaltung des Stadtbilds beteiligt. Am meisten prägte Ludwig I mit seinen Architekten das Bild des königlichen Münchens durch eine stimmige Architektur, die den Regeln aus der Historie geschöpften Stilideals folgte.



Phase 3: Auflassung des Festungsrings gleicht einer Wegbereitung zur Industrialisierung

Verlegung Universität und Gründung TU

1826 holte König Ludwig I. mit einer seiner ersten Amtshandlungen die Universität von Landshut nach München. Im heutigen, von Friedrich von Gärtner gestalteten Hauptgebäude der Universität herrscht seit 1840 Unibetrieb. König Ludwig I und mehr noch sein Sohn Maximilian II förderten die Wissenschaften und holten gezielt Forscher und Erfinder in die bayerische Hauptstadt.

Die Gründung der Technischen Universität 1868 durch Ludwig II sind weitere Wegmarken dieser Bildungspolitik, um die Abgelegenheit von Rohstoffen und Transportwegen durch diesen Standortvorteil in der Entwicklung auszugleichen. Der Grundstein als Zentrum für die angewandten Wissenschaften, Basis für die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen großer Unternehmen war gelegt. Diese kennzeichnen noch heute die Wirtschaftsstruktur der Stadt München.


Bevölkerungsexplosion führt zur Wohnungsnot

Zwischen 1885 und 1905 verdoppelte sich die Bevölkerung Münchens von knapp 262.000 auf 539.000. In kurzer Zeit entstanden die heute immer noch beliebten Gründerzeitviertel mit großen Wohnungen rings um die Innenstadt, kleine preiswerte Wohnungen fehlten jedoch weiter. Zur Vermeidung von Leerstand wurden diese dann mit mehreren Familien belegt, die sich dann Küche und WC teilen mussten.

Rund ein Viertel der Münchner Haushalte wohnten in diesen sogenannten Teilwohnungen, oft wurden dann sogar nur Schlafplätze an sogenannte Schlafgänger untervermietet.


Eisenbahn und Tram – Motor der Industrialisierung

Der Bau der Eisenbahnlinie von München nach Augsburg markierte einen neuen Meilenstein in der Entwicklung Münchens. Die Eisenbahn verband das bisher abseits der großen Verkehrswege liegende München mit den Rohstoffquellen und Märkten Mitteleuropas. Der Start als zukünftiges Zentrum des europäischen Warenumschlags und Verkehrsknotens in Süddeutschland war erfolgt.

Die Straßenbahn erweiterte als schnelles und kostengünstiges Transportmittel den Aktionsradius der Stadtbewohner sprunghaft. Das unterstützte das Wachstum der Stadt in die Fläche.


Stadthygiene und Kanalisation

Schon 1811 gab es die ersten Kanäle zur Abwasserbeseitigung in München. Der erste unterirdische Abwasserkanal in München vom Promenadenplatz zum Hofgraben wurde 1811 für damals 50 000 Einwohner gebaut. Im Laufe der nächsten Jahre entstanden weitere 20 Kilometer beliebig über die Altstadt verteilte Kanäle.

Abfälle, Unrat und Fäkalien landeten trotzdem nach wie vor meistens auf den Straßen, Gehwegen und in Abortgruben. Bakterien und Krankheitserreger gelangten in den Untergrund und das Grundwasser. Massenerkrankungen und hohe Typhussterblichkeit waren die Folge.

Der Arzt Max von Pettenkofer sieht bereits 1836 die Hauptursache in den unhygienischen Zuständen und engagiert sich für eine geordnete Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Leider mit mäßigem Erfolg, wegen Geldmangels wurden größere Projekte zurückgestellt.

1874 wurde der englische Ingenieur J.Gordon mit einem „allgemeinen Projekt für die Canalisation der Stadt München“ beauftragt. Er nutzte geschickt das nach Norden abfallende Geländeprofil und ermöglichte damit eine Entwässerung auf natürliche Weise.


5 Millionen Kubikmeter Schutt 

Fünf Millionen Kubikmeter Schutt waren in München wegzuräumen. Von 257.000 Wohnungen blieben nur 25.000 unbeschädigt. 264.000 Einwohner waren obdachlos. 35 Prozent aller Geschäfte lagen in Schutt und Asche.

Nur 20 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Spiele nach Deutschland zu vergeben, war eine bemerkenswerte Chance, die München und Deutschland nutzen wollten. So wurden die Spiele bewusst ein Gegenentwurf zu Hitlers Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Keine monumentalen Inszenierungen, sondern weltoffene, freundliche Spiele sollten ein völlig anderes Bild von Deutschland transportieren – was auch gelang, sogar trotz des Attentates auf die israelische Olympia-Mannschaft durch die palästinensischen Terroristen.

Die Tatsache, dass die Münchner Olympia-Anlagen quasi auf Kriegsschutt errichtet wurden, hat laut Merk eine zusätzliche, unglaublich starke Friedens-Symbolik.


Olympische Sommerspiele 1972 – der Sprung nach vorn

1966 hatte die Stadt den Zuschlag erhalten. München stand vor einer umfassenden Modernisierung, vor einer Zeitenwende. Die Wiederaufbauphase nach dem Krieg war weitgehend abgeschlossen, die Einwohnerzahl stieg kräftig, und die Autos stauten sich auf den engen Straßen der Altstadt

Die Entscheidung für München als Austragungsort der Sommerspiele wirkte wie ein Katalysator, ein Beschleuniger. Visionen konnten nun rasch Wirklichkeit werden, und das Geld, um die einzelnen Punkte des Plans umzusetzen, floss. Planungsprozesse, die sonst ewig dauern, bekamen Dynamik. Die Zeit, die es brauchte, um das U-Bahn- und S-Bahn-System auszubauen, um die Fußgängerzone in der Innenstadt einzurichten, um neue Wohnungen und Straßen zu bauen, verkürzte sich deutlich.


Eine neue Infrastruktur entstand in Rekordzeit.




Isartor

Tal 50,

80331 München


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About the author

Es ist wertvoller einen Ort im Detail zu erleben, als viele kleine Eindrücke eines unbegreifbaren Ganzen. Genius Loci - den Geist eines Ortes für sich zu entdecken, einzufangen und zu erleben. Wahrnehmen - verstehen - genießen! Als diplomierter Wirtschaftsingenieur mit zusätzlichem MBA-Studium an renommierter Universität in England (EMBA, EQUIS und AACSB akkreditiert) habe ich mehr als 30 Jahre auf C-Level (Vorstand Marketing und Vertrieb weltweit) für andere oft überraschende Wege zum Erfolg aufgezeigt.

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