Mai 18

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Rothenburg – Märchen aus dem Mittelalter (Romantische Straße)

By Frank

Mai 18, 2020


11.000 Einwohner leben in der Kleinstadt, 2500 davon in der Altstadt. Jährlich bleiben etwa 340.000 Gäste über Nacht (über 3000 Gästebetten), die 1,7 Millionen Tagesgäste sind da noch nicht mitgezählt. Die wenigen Einheimischen, die an einem Werktag in der Altstadt unterwegs sind, erkennt man an ihrer doppelt so schnellen Geschwindigkeit…  


Die Welt ist zu Gast ... – jeden Tag!



Die Ursprünge der Stadt gehen auf die Zeit des 12.Jahrhunderts zurück und dementsprechend findet man heute noch Tore, Türme und eine mächtige Stadtmauer vor. Der Mauerring, ca. 4 km lang, aus dem 14. Jh. ist mit seinen 43 Tor- und Mauertürmen noch vollständig erhalten und kann fast rundum begangen werden. Der einzige Turm der bestiegen werden kann ist der Röderturm und bietet nach 132 Stufen einen wundervollen Ausblick auf die Altstadt.



Aha! Cool ...

Ausgerechnet am Karfreitag 1945 wurden 40% der Stadt durch Angriffe alliierter Brandbomber zerstört. Jahrzehnte lang entstanden die Gebäude neu – etwas besser als das Original. Rothenburg wirkt wie eine Kulisse, die filmreif wiederaufgebaut wurde.

Eigentlich sollte ein weiterer Artillerieangriff der Stadt den Rest geben. Doch John Jay McCloy, damals stellvertretender Staatssekretär im US-Kriegsministerium, bat um Gnade. Seine Mutter hatte die Stadt zweimal vor dem Krieg besucht und von dem wunderschönen Ort geschwärmt. Eine Touristin rettete quasi Rothenburg. Und Touristen halfen später die Stadt wiederaufzubauen.


Spendensteine auf der Stadtmauer

Ihre Namen sind auf Spendensteinen in der Stadtmauer verewigt, darauf steht New York, Osaka, Milwaukee, Castrop-Rauxel, …  Im Ostteil der Stadtmauer sind die Spendensteine verankert. Wer will, kann sich dort gegen eine angemessene Spende zum Erhalt der Stadtmauer verewigen lassen. Die Stadt wurde 2010 von der Bundesregierung als „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet, die Bevölkerung stammt nun aus 70 Nationen – darunter Japan.

Auch die Straßen (alle innerhalb der Stadtmauer heißen übrigens „Gassen“) blieben so schmal wie früher - das Mittelaltergefühl sollte nicht verloren gehen.  Da man die Stadtmauer nur durch die Stadttore passieren kann, gibt es eine vorgegebene Höhenbegrenzung - innerhalb der Stadtmauer bewegt man sich, aufgrund der verwinkelten Gassen und des traditionellen Kopfsteinpflasters, sowieso am besten zu Fuß.




Unglaublich  


"Meistertrunk" um Leben und Tod ...

Mit dem Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 wurde die Blütezeit jäh beendet. Rothenburg hatte im Krieg sehr unter Einquartierungen zu leiden; das Stadtgebiet war mehrmals Durchzugsgebiet von plündernden Truppen. Im Oktober 1631 wurde die Stadt gewaltsam von kaiserlichen Truppen unter General Johann T'Serclaes von Tilly eingenommen.

Die Legende geht so: Der kaiserliche Heerführer Tilly stand 1631 schon seit zwei Tagen mit 60.000 Mann vor der Stadt. Rothenburg war protestantisch, Tilly kämpfte für den katholischen Bund. Als am 30. Oktober das Pulverlager in einem der Türme der Stadtmauer explodierte, brach die Befestigung der Stadt. Tilly ließ Rothenburg stürmen.

Er verurteilte alle Stadträte und den Bürgermeister zum Tod. Doch plötzlich - als er einen Willkommenstrunk gereicht bekam - hielt er ein und änderte seine Meinung. Tilly bot den Rothenburgern überraschend eine Wette um ihr Leben an. Sie sollten darum trinken.

Dreieinviertel Liter (13 fränkische Schoppen) sollen in dem Humpen gewesen sein, der Rothenburg schließlich vor schlimmeren Übeln bewahrt hat. Alle Stadträte durften leben, die Stadt wurde weitgehend verschont. Alles, weil der Altbürgermeister Georg Nusch den ganzen Humpen in einem Zug austrinken konnte. Ein Meistertrunk. Dabei ist immer noch nicht nachgewiesen, ob der denn wirklich stattgefunden hat oder nicht.

Inzwischen kommen an gut besuchten Pfingsttagen bis zu 25 000 Menschen nach Rothenburg. Neben der Theateraufführung gibt es historische Umzüge und Feldlager, die einen Einblick in den Dreißigjährigen Krieg geben. Die Veranstaltung zählt seit 2016 zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.



Was gibt es prickelndes zu sehen?


St. Jakobs Kirche (Riemenschneider Altar)

Ganz im Süden der Altstadt befindet sich mit der Spitaltorbastei der jüngste Teil der Stadtbefestigung – fertiggestellt im Jahr 1537. „Pax intrantibus -salus exeuntibus“ – also „Friede den Eintretenden und Heil den Hinaustretenden“ lautet die Inschrift am Torbogen. Der japanische Großflughafen Haneda in Tokio hat dieses Motto für sein Mission Statement übernommen.

Die St.-Jakobs-Kirche, Hingucker im Zentrum der Altstadt, wurde 1485 nach 173-jähriger Bautätigkeit fertiggestellt. Anfangs katholisch, wurde sie später zur evangelischen Kirche und ist bis heute die Hauptkirche Rothenburgs. ZWEI Altäre gibt es in der Kirche St. Jakob. Den Zwölf-Boten-Altar von Friedrich Herlin steuern viele Besucher direkt als erstes an.

Berühmter Riemenschneider Altar

Auf dem Hauptaltar im Ostchor von St. Jakob findet sich die älteste Darstellung des Rothenburger Marktplatzes. Ein Schmuckstück ist auch der zweite Altar im Westflügel der Kirche. Im Heilig-Blut-Altar erkennt man die ganze Fertigkeit des Würzburger Künstlers Tilman Riemenschneider. Be-sondere Höhepunkte sind die Orgelkonzerte, die hier im ganzen Jahr verteilt stattfinden.


Direkt vor der Jakobskirche steht ein Modell von Rothenburg, so ist die Stadt für Blinde ertastbar. Hier sieht man, wie die kleine Stadt im Mittelalter wuchs, ein zweiter Mauerring wurde notwendig. Bezahlt haben ihn im 14.Jahrhundert vor allem die Juden der Stadt mit einer Sondersteuer, die eigentlich ein Schutzgeld war, damit sie unbehelligt in Rothenburg leben konnten. Doch ihren Frieden konnten sie damit nicht erkaufen, die jüdische Geschichte in Rothenburg ist immer wieder eine Geschichte der Vertreibung.



Kriminalmuseum

Schauderlich, angsteinflößend oder einfach nur: höchst informativ. So lässt sich das Mittelalterliche Kriminalmuseum von Rothenburg ob der Tauber beschreiben. Was Sie zudem unbedingt gesehen haben sollten: die Sammlung an Schandmasken sowie die originalen Streckbänke, Daumenschrauben und weitere Foltergerätschaften im Keller des Museums – wirklich angsteinflößend. Hinter den Eingangstoren ragt der Käfig der legendären Bäckertaufe hervor – wenn ein Bäcker bei den Zutaten einst schummelte, ging es für ihn damit unter Wasser

"Bäcker-Käfig"

Mittlerweile umfasst das Mittelalterliche Kriminalmuseum ca. 50.000 Exponate aus über 1.000 Jahren deutsche und europäische Rechtsgeschichte und zählt zu den bedeutendsten und beliebtesten Rechtskundemuseen in Deutschland und Europa. Die Sammlung geht zurück auf eine kleine Privatsammlung des Verlegers und Archivars Rudolf Hermann Albrecht Ende 19./Anfang 20. Jh. Diese war als sog. „Rothenburger Folterkammer“ im Turm des Burghotels in der Klostergasse untergebracht und orientierte sich an der weltbekannten Nürnberger Folterkammer-Ausstellung von G.F.Geuder.




Rödertor

91541 Rothenburg ob der Tauber


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About the author

Es ist wertvoller einen Ort im Detail zu erleben, als viele kleine Eindrücke eines unbegreifbaren Ganzen. Genius Loci - den Geist eines Ortes für sich zu entdecken, einzufangen und zu erleben. Wahrnehmen - verstehen - genießen! Als diplomierter Wirtschaftsingenieur mit zusätzlichem MBA-Studium an renommierter Universität in England (EMBA, EQUIS und AACSB akkreditiert) habe ich mehr als 30 Jahre auf C-Level (Vorstand Marketing und Vertrieb weltweit) für andere oft überraschende Wege zum Erfolg aufgezeigt.

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