März 15

0 comments

Schanigärten – a bisserl Grün mit Bedienung

By Frank

März 15, 2023


Es glich schon einer kleinen Revolution, als der Stadtrat hier in München erlaubte, der Gastronomie auf Grund der der Corona Krise auch auf der Straße Tische und Stühle aufzustellen. Und das in der bayrischen Metropole München. Wo man jeden Zentimeter im Freien hart erkämpfen und teuer bezahlen muss oder überhaupt keine Erlaubnis dafür bekommt.



AHA! Cool...


Parkplätze werden zu Freischankflächen

Wo vorher Parkplätze waren, tauchten plötzlich neue, improvisierte Freischankflächen auf, sogenannte Schanigärten. Ein Schanigarten befindet sich in der Regel auf dem Parkplatzstreifen der Straße. Der Begriff und die Idee des Schanigartens an sich kommt ursprünglich aus Österreich und wird in München neuerdings wie selbstverständlich benutzt.

Die zusätzlichen Freischankflächen auf öffentlichem Grund waren eigentlich als Notlösung für die durch die Corona Pandemie in Mitleidenschaft gezogene Gastronomie gedacht. Inzwischen sind sie fester Bestandteil Münchener Straßenzüge, man kann sie somit auch temporäres Stadtmobiliar nennen.

Nach dem Stadtrat Beschluss vom 4.Mai 2021 dürfen Schanigärten zukünftig von April bis Oktober stehen bleiben. Die Schanigärten sind konstant beliebt. 2021 waren es 11.000 zusätzliche Plätze in 681 Schanigärten, in 2022 gab es noch 600 mit rund 12.000 Quadratmetern Sitzplätzen.


Temporäres Stadtmobiliar - "Sehen und Gesehen werden"

Das urbane Phänomen des temporären Stadtmobiliars ist kein neues. Ähnlich den Schanigärten in München, den Parklets in Berlin, den Superblocks in Barcelona oder der Strade Aperte in Mailand ist, dass sie in ihrem Grundaufbau keine permanenten räumlichen Gestaltungen sind und von heute auf morgen wieder abgebaut werden können.

Temporäres Straßenmobiliar

Temporäres Straßenmobiliar

Die Schanigärten sind Orte der Entspannung und dienen auch dem „Sehen und Gesehen-Werden“. Bei einem Schanigarten im eigentlichen Sinn handelt es sich um ein blumengeschmücktes Ensemble von Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen auf öffentlichem Grund – quasi kleine Freiluftoasen mitten in der Großstadt vor einem Gastronomiebetrieb zur Konsumation von Speisen und Getränken.


Umsonst? - Nein...

In München ist das Ganze nicht mehr kostenfrei. Gewerbetreibende müssen bei Ersterlass eine Verwaltungsgebühr von 180 Euro zahlen, die nur während aktiven Corona Restriktionen wegfällt. Zusätzlich muss eine jährliche Sondernutzungsgebühr gezahlt werden. Diese richtet sich dann nach der jeweiligen Straßengruppe und liegt zwischen 16 und 77 Euro pro Quadratmeter. Durchschnittliche Größe eines Schanigartens entspricht zwei Parkplätzen in Längsaufstellung also ca. 23qm sprich es werden Gebühren von 365 – 1755 Euro fällig.

Woher der Schanigarten schlussendlich seinen Namen hat, ist bis heute nicht vollkommen geklärt. Anfängliche Versuche der Namensgebung in München reichten von Buchtenbar, Fress- und Saufpalette bis hin zu Terrazzino. Weit verbreitet ist aber die Auffassung, dass der Begriff von unseren österreichischen Nachbarn übernommen wurde.



Unglaublich


Ursprung des Schanigarten

Den ersten genehmigten Schanigarten hat wohl Giovanni (Gianni) Taroni im Jahr 1754 eröffnet. Johann Jakob Tarone, der auf dem Graben, nahe der heutigen Habsburgergasse, ein 1748 eröffnetes Kaffeehaus betrieb, erhielt 1754 eine behördliche Genehmigung, für das Aufstellen von Tischen und Stühlen vor dem Lokal zum Ausschank der Erfrischungswasser.

Da Tarone wie etliche andere Cafetiers italienischer Abstammung war, hat man von Gianni’s Garten gesprochen. Mit schlampiger Betonung wurde das dann wie „Schani“ ausgesprochen, so jedenfalls eine Mutmaßung.

Da es sich für Frauen nicht schickte, ins Kaffeehaus zu gehen, sondern nur in die Konditorei, konnten sie durch den Gastgarten erstmals am Kaffeehausleben teilnehmen.

Gianni hatte quasi als erster in der Stadt die geniale Idee ein Limonadenzelt und Sessel vor seinem Kaffeehaus aufzustellen und mit Blumenarrangements zusätzlich für ein wenig Dekor zu sorgen. 1754 segnete die Obrigkeit Taronis Vorhaben ab und schon strömten die Wiener in Massen herbei.

Aus dem Nichts hatte der innovative Taroni die Tradition der Sommerkaffeehäuser begründet. Seine genuine Leistung wird noch heute im Sprachgebrauch gewürdigt. Denn aus Giannis Garten wurde alsbald der heute nicht mehr wegzudenkende Schanigarten.


Schanigarten in Wien

Wien Museum, Inventarnummer HMW 37096

Französisch "Jean"....

Andere bestehen auf diese Geschichte: Der Schani, also der so genannte Hilfskellner, bekam den Auftrag, Tische und Stühle ins Freie zu tragen und damit war der Schanigarten geboren. Soll heißen am häufigsten findet sich der Verweis auf den Vornamen „Schani“, vom französischen „Jean“ ins Wienerische und in die Verkleinerungsform transferiert. Früher hießen viele Diener und Hilfskräfte Johann und sie wurden, da Französisch eine Modesprache war, häufig als Jean angesprochen.

Schani wurde damit zu einem Synonym für männliche Bedienstete, so rief man sie auch, wenn man ihren richtigen Namen nicht wusste. Da die Wirte ihren Mitarbeitern immer wieder auftrugen „Schani, bring den Garten hinaus“ oder „Schani, bring den Garten herein“, soll sich daraus der Begriff Schanigarten abgeleitet haben.

Fest steht: Schanigärten sind eine tolle Erfindung und jedenfalls viel schöner als parkende Autos. Nochmal zurück zu Wien als sagen wir Ideengeber. Dort kennt bzw. nennt man sie auch Grätzloasen, die hier einfach auch die Stadt verschönern. Grätzloasen sind liebevoll bepflanzte und mit Tischen, (Liege-) Stühlen oder Bänken bestückte Sitzecken in Parkbuchten.


Grätzloasen beleben den öffentlichen Raum

Grätzloasen sind, wenn man so will, öffentliche Balkone oder Terrassen, unabhängig von der Gastronomie. Man kann sich dort niederlassen, allein oder mit Freunden, sein Picknick mitbringen, ein Glas Wein trinken, ein Buch lesen, mit anderen plaudern. Grätzloasen sind laut Webseite der LA21 Wien eine kreative Idee, die den öffentlichen Raum belebt.

Die Aktionen sollen eine gemeinschaftliche Nutzung anregen und das Zusammenleben im Grätzl (Wohnbezirke in Wien) auf einfallsreiche, nicht profitorientierte und zeitlich begrenzte Art fördern. In München betritt man damit verwaltungstechnisches Neuland. Stadtmobiliar-Projekte sind eine Mischung aus Kunst und Kultur.


„Land-Art“, Public Art und „Street-Art“

In „Land-Art“, Public Art und „Street-Art“ lassen sich viele Vorbilder für ausdrucksstarke, raumwirksame Herangehensweise finden: bunte, auffällige, knallende Werke. Die Idee der Zwischennutzung kommt wiederum aus der Kultur. Früh fand man hier innovative Ideen für Brachen und Leerstände.

Eine temporäre Installation kann niemals eine langfristige Gestaltung ersetzen. Jedoch könne sie den Weg dorthin gestalten. Und das ist laut Felix Lüdicke (Gründer des Künstlerkollektivs „raumzeug“) die große Chance temporärer Projekte.



Was gibt's Prickelndes zu sehen


Schanigarten_weinheim mit Schirmen und Tageskarte

Schanigarten_Das Weinheim

Frisch zubereitet – regional geprägt – niveauvoll gekocht.

Kulinarisch ist für jeden Geschmack, jede Tageszeit und jede Stimmung gesorgt. Einige Lokale öffnen ihre Freiluftwirtschaft zwar erst im Laufe des Vormittags, aber ein kleines Frühstück mit Kaffee und Croissant ist an der ein oder anderen Ecke durchaus möglich. 

Die Vielfalt ist beeindruckend und es scheint, als kämen von Woche zu Woche noch mehr Schanigärten hinzu. Bei einem Spaziergang oder einer Radltour durch die Altstadt, das Glockenbachviertel, Haidhausen und andere Stadtviertel Münchens entdeckt man viele der neuen kleinen Freiluftoasen.


Ein  echter Münchner Schanigarten befindet sich übrigens da, 

wo früher die Parkplätze der Autos am Straßenrand waren.

Die fehlen jetzt natürlich, aber die meisten Autobesitzer erfreuen sich an den dafür entstandenen gemütlichen Orten.

About the author

Es ist wertvoller einen Ort im Detail zu erleben, als viele kleine Eindrücke eines unbegreifbaren Ganzen.

Genius Loci - den Geist eines Ortes für sich zu entdecken, einzufangen und zu erleben. Wahrnehmen - verstehen - genießen!

Als diplomierter Wirtschaftsingenieur mit zusätzlichem MBA-Studium an renommierter Universität in England (EMBA, EQUIS und AACSB akkreditiert) habe ich mehr als 30 Jahre auf C-Level (Vorstand Marketing und Vertrieb weltweit) für andere oft überraschende Wege zum Erfolg aufgezeigt.

You might also like

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Never miss a good story!

 Subscribe to our newsletter to keep up with the latest trends!

>